Selbstmord verhindern
Die Telefonseelsorge sucht ständig neue
Mitarbeiter.
Welche Voraussetzungen sollten Bewerber für diese
Tätigkeit mitbringen?
Sie sollten zwischen Anfang 20 und Anfang 60 sein, relativ stabil und
neugierig. Es gibt aber noch ein Auswahlverfahren. Jeder Interessent
erhält einen Brief und wird zu diesem Auswahlverfahren eingeladen, bei dem
wir und er selbst gucken und hören können, ob es gemeinsam geht. In diesem
Fall würde sich eine kostenlose Ausbildung anschließen.
Wie lange dauert diese Ausbildung?
Ein Jahr. Es sind acht Wochenenden, an denen die Mitstreiter geschult
werden, und außerdem treffen sie sich zu zehn thematisch orientierten
Ausbildungsabenden. Danach folgt eine Hospitationsphase. Das alles kann
sehr spannend sein.
Wie werden die Teilnehmer nach abgeschlossener Ausbildung eingesetzt?
Sie werden sich für drei Jahre verpflichten. Im Monat sind 12 bis 16
Stunden Dienst zu leisten. Gearbeitet wird in drei Schichten. Für eine gut
funktionierende Telefonseelsorge werden in etwa zwischen 80 und 100 Leuten
gebraucht, so viele haben wir aber noch nicht. Deshalb bilden wir laufend
aus. Auch derzeit wird eine Gruppe geschult.
Melden sich mehr Frauen oder Männer für die Mitarbeit bei der
Telefonseelsorge?
Die Männer
sind in der Minderheit. Zurzeit kommen auf zehn Frauen zwei Männer. Aber
bei den Jüngeren ist das Verhältnis schon 50:50.
Wollen manche der Anrufer gezielt entweder einen Mann bzw. eine Frau
sprechen?
Auch das gibt es. Besonders Therapie-Erfahrene wissen genau, wen sie
sprechen wollen. Bei den Problemen, mit denen wir konfrontiert werden, ist
der Suizid z.B. das klassische Thema, doch nicht das bestimmende. Der
Renner sind jetzt Partnerschaftsprobleme. Es rufen auch viele Kinder und
Jugendliche an, Menschen, die unter emotionalem Druck stehen. Bei der
Telefonseelsorge bleibt alles anonym, der Anrufer muss sich nicht
verpflichtet fühlen, kann so bleiben wie er ist, aber findet hier einen
Freund für eine kurze Zeit, einen, der ihm zuhört und mitgeht.
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